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Tipps aus der Teepapstküche: Die Brühtemperatur!

Photo © Stock.xchng

Zu Beginn meiner „Tee-Sucht“ war ich oftmals verunsichert. Für jeden Tee gab‘s eine andere Brühempfehlung, mir fehlte der rote Faden. Alles klang furchtbar kompliziert, eine Wissenschaft für sich. Aber wie ich schnell festgestellt hatte, alles halb so wild.

Darüber hinaus gibt’s für Tee-Fans ja auch ein ordentliches Arsenal an Behelfszubehör, wie beispielsweise eine Teeuhr, ein Thermometer, ein Teemaß oder eine Küchenwaage für die Teemenge sowie verschiedene Filterarten. Für alle, die kein Thermometer zu Hand haben gibt jetzt – aus der Teepapstküche – ein paar Hinweise, so dass dem perfekten Teegenuss nichts mehr im Wege steht –auch ganz ohne Thermometer.

Die verschiedenen Teesorten mögen tatsächlich in unterschiedlich heißem Wasser „gebadet“ werden. Deshalb an dieser Stelle mal ein paar grobe Richtwerte: 

  • Schwarztee: mag es heiß, richtig heiß! Er darf und soll mit kochendem Wasser aufgegossen werden.
  • Oolongtee darf auch etwas wärmer gebadet werden, heißt Brühtemperaturen so um die 80°C bekommen ihm ganz gut.
  • Chinesischer Grüntee: Jasmintee – vor allem der kugelige Dragon Pearls – mag es etwas wärmer (80°C – 85^C), ansonsten die anderen Sorten kommen mit 75°C bis 80°C gut klar, je nach Qualität des Tees. Umso höher die Qualität, umso geringer darf die Temperatur sein. Natürlich gibt’s auch Ausnahmen, in dem Fall weisen gute Teehändler ihre Kunden darauf auch hin.
  • Weiße Tees: die flaumigen „Baby“- Knospen bevorzugen eine eher laue „Badetemperatur“, 70°C bis 75°C gefällt ihnen richtig gut, dann belohnen sie ihren „Bademeister“ mit wahrlich verzückenden Aromen.

Japanische Grüntees brauchen eine etwas detailliertere Ausführung, da sich diese durch Anbau und Verarbeitung doch gehörig von anderen Grüntees (z.B. aus China, Indien, Nepal) unterscheiden. Der wohl bekannteste Unterschied ist, das Japaner den Tee dämpfen, Chinesen beispielsweise präferieren eher die Pfannenröstung. Darüber hinaus sind Japaner für ihre Schattentees berühmt. Dies bedeutet, dass die Teepflanzen kurz vor der Ernte oder auch ein paar Wochen vorher mit speziellen Netzen abgedeckt werden, sodass nur wenig Sonnenlicht auf die Blätter fällt. Dies führt dazu, dass die Teeblätter mehr Chlorophyll und bestimmte Aminosäuren enthalten. Das gibt ihnen ihren typisch süßen Geschmack (Umami) und die wunderschön tiefgrüne Farbe. Umso grüner und süßer, umso hochwertiger der Tee und umso niedriger darf die Temperatur des „Badewassers“ sein.

  • Japanischer Shincha: Hierbei handelt es sich um sehr hochwertigen First Flush Sencha, der sich durch ein besonders betörend süßes, vollmundiges fruchtig-blumiges Aroma auszeichnet. Es ist der erste Tee des Jahres und wird in Japan besonders gefeiert. Shinchas mögen‘s kühler, heißt 65°C bis max. 75°C entlocken ihnen ihr besonders feines Aroma am besten.  
  • Kabuse-Cha (Japanische Halbschatten-Tees): Die Teepflanze wird vor der Ernte mit Netzen bedeckt. Diese Tees sind sehr gehaltvoll, fruchtig, intensiv und je nach Pflückungszeitpunkt sollte das „Badewasser“ auch nicht zu heiß angesetzt werden (max. 75°C).
  • Gyokuro – der „edle Tautropfen“ (Schattentee) ist einer der edelsten japanischen Grünteesorten, er wird Wochen vor der Ernte mit Netzen bedeckt, so dass noch weniger Sonne auf die Blätter fällt als bei den Halbschatten-Tees. Sein typisches Aroma (Umami) lässt sich am besten mit niederen Brühtemperaturen entlocken (60°C bis maximal 75°C).
  • Matcha – der japanische Klassiker der Teezeremonie – grünes Teepulver, das aus bestem Schattentee (Tencha) in einer Steinmühle zu Puder verarbeitet wurde. Dieser Tee wird traditionell mit ca. 75°C – 80°C heißem Wasser und einem Chasen (kleiner Bambusbesen) aufgeschlagen, bis sich auf der Oberfläche ein weicher Schaum bildet. Faule oder eilige Menschen machen’s so unromantisch wie ich und nehmen einfach einen Milchaufschäumer und schäumen dieses Pulver in einem hohen Becher mit heißem Wasser auf. Natürlich kann das Pulver auch mit niedrigeren Temperaturen aufgeschäumt werden oder mit heißer oder kalter Vanille Sojamilch/Reismilch, je nach Geschmack. Wird er pur getrunken, so empfiehlt sich 75°-80°C heißes Wasser, hier bildet sich der schönste Schaum (Crema) auf dem Tee. Matcha hat ein zartsüßes intensives Aroma, sehr verspielt, sehr komplex. Es wird ja auch das ganze Teeblatt konsumiert (mehr zu Matcha: hier).
  • Bancha/Kukicha/Hojicha: Sorten, die aus späteren Pflückungen hergestellt werden, dürfen gerne mit höherer Temperatur gebrüht werden (80°C).

Soviel an dieser Stelle zu den unterschiedlichen Teesorten Und nun noch ein paar Zeitangaben zur Brühtemperatur. Nachfolgende Angaben beziehen sich auf 0,8 Liter Wasser, welches in einem Edelstahl-Wasserkocher erhitzt wurde und nachfolgend mit geöffnetem Deckel abkühlen durfte. Wird das Brühwasser direkt nach dem Kochen in eine Kanne umgegossen, kann die Wassertemperatur dadurch schon um etwa 10°C verringert werden – hab ich hier nicht gemacht. Die Wassertemperatur hatte in meiner „Versuchsreihe“ nach 

  •  5 Minuten:    80°C
  •  8 Minuten:    75°C
  • 10 Minuten:   70°C
  • 15 Minuten:   65°C

Sofern in irgendeiner Form ein Zeitmesser vorhanden ist (Handy, Eieruhr, Teeuhr, Wecker, Stoppuhr usw.) können diese Abkühlzeiten als grobe Richtwerte verwendet werden. Wer Spass daran hat, darf natürlich auch gerne ganz altmodisch 5 mal bis 60 zählen.

Fazit: Schwarztee mag’s kochend heiß, Oolongtees dürfen nach etwa 5 Minuten abkühlen gebrüht werden, für grüne Tees und weiße Tees das Wasser 8 bis 10 Minuten abkühlen lassen. Nun sollte einem entspannten köstlichen Teegenuss nichts mehr im Wege stehen! Eine leckere Teeinspiration gibts hier! NK

8 Kommentare

  1. Din sagt:

    Danke für die vielen Details! Ich merke immer wieder, dass meine Tees nicht immer gut gelingen, vor allem wenn ich es eilig habe. Dabei ist es wirklich wichtig auf die richtige Temperatur zu achten, sonst misslingt der teuerste Tee!
    Mein Wasserkocher mit Temperaturanzeige ist da wirklich eine Hilfe neben deinen Tipps; nun brauch ich nur noch Geduld.

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  2. DK sagt:

    Im Großen und Ganzen ein recht gut geschriebener Artikel, allerdings wie schon erwähnt ist Umami nicht Süße sondern eher ein sämiger butteriger Geschmack. Anfügen wollte ich noch, dass eine Brühtemperatur von 60-75 Grad bei einem Gyokuro nur dann angebracht ist wenn er europäisch (also 10-15g/Liter) zubereitet wird. Will man ihn nach japanischer Art ziehen (3-5g/30ml) sollte die Temperatur zwischen 40 und maximal 60 Grad liegen!

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  3. Nina K. sagt:

    Vielen lieben Dank für die Blumen ☺! LG, Nina

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  4. Claudia sagt:

    … ok. ich brauche jetzt keine Antwort mehr. Habe den Umami Artikel gefunden auf der Seite :-) . Wirklich tolle Website übrigens – Kompliment!!!

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  5. Claudia sagt:

    Der Artikel gefällt mir sehr gut, vor allem die Zeitangaben. Als morgendliche Grünteetrinkerin schalte ich den Wasserkocher ein, gehe duschen und dann passt die Temperatur auch :-)
    Noch eine Frage: Ist “umami” nicht eine fünfte Geschmacksempfingung nebst süss, sauer, bitter und salzig und vor allem in glutamathaltigen Lebensmitteln zu finden?

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  6. Das wollte ich wissen. :] Bin eh ein Teeanfänger, für mich schmeckt alles gleich aufregend, haha.

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  7. Nina K. sagt:

    Der Geschmack verändert sich bei manchen Tees, werden stärker, intensiver, manche auch ein bisschen herb. Ich lasse oft Tees sehr viel länger ziehen, weil ich das geschmacklich mag, vor allem bei den hochwertigen japanischen Sorten (Gyokuro,Honyama). Es passiert jedenfalls nichts was Dir schaden könnte, nur die Aromen verändern sich etwas…LG, Nina ☺

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  8. Daaaaaaaaaanke. :]

    Eine Frage: Wenn ich es falsch mache, also die Zeit vergessen oder nachher beim Aufgießen zu lange ziehen lasse, geschieht etwas schlimmes oder schmeckt es für einen Teeexpterten einfach nicht mehr so subba?

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