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Minztee – Marokkos Symbol für Gastfreundschaft

Marokko ist nur eine Meerenge von Europa entfernt, und doch so aufregend fremd. Seine Königstädte, die Kasbahs, die Sahara, das farbenprächtige und lebhafte Treiben in den Souks verzaubern wie die Geschichten aus 1001 Nacht. Wer immer hier ein Haus betritt, wird mit einem köstlichen Minztee willkommen geheißen.

Ohne Minztee geht hier nichts. Er ist das Nationalgetränk der Marokkaner und wird zu jeder Gelegenheit und Tages- wie Nachtzeit genossen, bei geschäftlichen Verhandlungen wie bei Familientreffen, zu Gebäck wie zur Tajine. „Whisky maroccain“ nennen ihn die Berber.

Bitter wie das Leben, süß wie die Liebe und sanft wie der Tod

Teetrinken war und ist eines der wichtigsten Rituale bei den Nomaden in der Wüste. Wann immer ein Gast eintrifft, wird er gereicht. Obwohl im wahrsten Sinne des Wortes zuckersüß, ist er ein idealer Durstlöscher. Gläser und Kannen kommen in der Wüste nicht so edel daher wie jene, die mittlerweile unsere Wohnräume erobert haben, dafür fasziniert die Zeremonie, die traditionell vom Ältesten ausgeführt wird. Er ist der Roi du Thé, modern gesagt der Teamaster. In eine silberne Kanne füllt er eine Mischung aus grünem Tee und frischer Minze, während er in einer zweiten Kanne Wasser zum Kochen bringt. Wenn es kocht, gießt der Roi du Thé den Tee auf, und dann mehrere Male hin und her zwischen den beiden Kannen. Dann werden Zuckerhut-Stücke hinzugefügt. Erst wenn der Tee die richtige Süße hat, wird er serviert. Beim Füllen der Gläser wird die Kanne hochgehalten, damit der Strahl dünn bleibt und mit möglichst viel Luft in Berührung kommt. So entsteht eine schöne Schaumkrone. Dreimal werden die Gläser gefüllt. Das erste schmeckt bitter wie das Leben, das zweite süß wie die Liebe und das dritte sanft wie der Tod. Sagen die Tuareg. Der höfliche Gast zieht sich nach dem dritten Glas zurück.

Echter Minztee wird in Marokko immer mit grünem Tee und Minze aufgebrüht und bereits gezuckert serviert, auch wenn man es in manchen Lokalen erleben kann, dass der Tee schwarz ist oder die Minze nachträglich ins Glas gehängt wird. Wer sich Minztee zuhause zubereiten möchte, sollte marokkanische Minze wählen. Nana heißt sie, bei uns bekommt man sie im Frühjahr und kann sie dann selber ziehen.

Ursprünglich brühten die Nomaden den Tee nur aus den Blättern der Minze, die überall wächst, aber von den Bauern auch großflächig angebaut wird. Tee fand erst Mitte des 19. Jahrhundert seinen Weg in den Magreb. Weil die Engländer wegen des Krimkriegs ihren Tee nicht mehr in den slawischen Ländern absetzen können, lieferten sie große Mengen nach Tanger und Mogador, das heute Essaouira heißt. Einst Knotenpunkt der Karawanen ist der Badeort an der Atlantikküste heute ein Surferparadies und Ziel für Künstler und Aussteiger.

Es war einmal – die Stunde der Erzähler

Früher waren Oasen und Karawansereien Plätze, an denen man sich von den Anstrengungen des Tages erholte und beim Tee Nachrichten getauscht und Geschichten erzählt wurden. Das übernehmen heute in Marokko wie überall moderne Medien. Die letzten echten Geschichtenerzähler kann man nur noch am Djemaa el Fna in Marrakesch erleben, dem legendären Platz, auf dem sich Gaukler, Wahrsagerinnen und Schlangenbeschwörer, Tänzer und Trommler und neugierige Mengen von Touristen treffen.

Wenn abends die Sonne über den Dächern versinkt, gehört ihnen die Bühne. Ein Schauspiel, das fasziniert, auch wenn man kein Wort Arabisch versteht. Jung und alt hängen an den Lippen der alten Männer, die mit großartigen Gebärden ihre Erzählungen unterstreichen, aufmerksam verfolgt von einem Publikum, das noch zuhören kann und jedes Kapitel, jede Wende kommentiert. Lachend, staunend, erschreckt und verwundert, so dass man immerhin erahnen kann, ob die Geschichte gerade eine tragische oder – inshallah – eine glückliche Wendung nimmt.

Bildquelle: www.visitmorocco.com; flickr, rudolf mittelmann

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