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Die Tee Renaissance

Was tut sich in der Teewelt? Gedanken zum Tag des Tees

Könnt ihr euch an den Filterkaffee eurer Großmutter erinnern? Müsst ihr nicht, denn es gibt nicht viele, die diesem koffeinhaltigen Getränk nachtrauern. Schwarze Plörre auf Wärmeplatte – ihr wisst, was ich meine.

Heute genießt man Kaffee völlig anders. Einzeln verpackt – ob in Kapseln, Pads oder Discs mit Namen „Roma“ oder „Barista Corto“, zelebriert von George Clooney & anderen Damen und Herren. Nespresso und co. haben eindrucksvoll gezeigt, wie man ein Produkt neu verpackt, toll inszeniert, eine ganze Welt darum herum baut und damit in nicht einmal 20 Jahren das Business total gedreht: Von kleinen Gewinnen mit Massengeschäft, an dem keiner viel verdient hin zum Luxus & Lifestyle Business mit spannenden Margen.

Könnt ihr euch noch an den Teebeutel erinnern? Ja, aber wer weiß, wie lange noch. Denn jetzt ist Tee dran und erlebt einen Umschwung, wie es ihn in der Teebranche seit dem Aufkommen des Teebeutels im 19. Jahrhundert nicht mehr gegeben hat. Tee boomt, Tee gibt es an jeder Ecke und jedes Jahr poppen immer neue Teefirmen auf. Viele davon verkaufen übrigens immer noch den Tee im Beutel – der ist und bleibt beliebt (gibt ja noch immer Leute, die Filterkaffee trinken). Das mit dem Beutel war übrigens ein klassischer Unfall: Teeproben wurden aus Indien nach London in kleinen Baumwollsäckchen verschickt, davon verirrte sich eines bei einer Teeverkostung direkt in eine Tasse mit heißem Wasser – der Teebeutel war entdeckt (na gut, einen Faden musste man da noch dran machen, um daraus ein praktisches Produkt zu machen, aber: so war’s).

Aber weg vom Beutel, zurück zum Trend. Weg vom „Trinke Tee nur, wenn ich krank bin“ hin zum echten Lifestyle Getränk. In den letzten Jahren sind Tea Lounges, Cocktailbars und Flagship Stores von coolen Teemarken wie Pilze aus dem Boden geschossen, Startups und Konzerne gestalten die neue Teezukunft mit.

 

 

 

 

 

 

 

all i need aus Wien oder ChariTea aus Hamburg bringen hippe Trend-Teegetränke auf den Markt, Getränke-Riesen wie Rauch, Pfanner oder Vöslauer bauen ihr Ice-Tea & Near-Water-Getränkesortiment immer stärker aus & Konzerne wie Unilever (ohnehin schon die größte Teefirma der Welt) investieren massiv in den Sektor Tee.

Gerade diese Woche ging der neueste Deal über die Bühne: Unilever kauft von Starbucks die Marke Tazo Tee um 384 Mio Dollar. Vor Kurzem ging die coole Bio Tee Marke Pukka ebenfalls an den holländischen Konzern (über den Kaufpreis ist hier nichts Näheres bekannt) um hier viel Boden aufzuholen, denn Nestle ist mit seinem Konzept Special-T schon viel weiter – hier wird aufwendig Tee in Kapseln verpackt & in coolen Maschinen verkauft. Das Erfolgsrezept ist von Nespresso schon gut bekannt – und die Macher dahinter sind dieselben. Teebeutel ist sowas von gestern.

Denn immer mehr Unternehmen die sich dem losen Tee verschrieben haben, drängen voller Energie auf den Markt: Kusmi Tea aus Frankreich, mit seinem reichen russischem Erbe und seinen markanten bunten Teedosen, bekannt für duftende aromatisierte Teemischungen. Kusmi hat 47 Flagship Stores in 7 verschiedenen Ländern. Aber bleibt hier nicht stehen – eben erst hat sich Kusmi Tea frisches Kapital in der Höhe von EUR 20 Mio gesichert, um seine Vision umzusetzen: Nummer 1 unter den Tee-Retailern der Welt zu werden. Und Kusmi ist hier nicht alleine: insbesondere Lifestyle-Brands aus Frankreich mit viel Tradition drängen auf den Markt: Mariage Freres hat schon seit geraumer Zeit mehr Teefachgeschäfte in Japan als in Frankreich, Le Palais des Thés drängt mit Vehemenz nach Deutschland und hat eben erst seinen ersten Store in Hamburg eröffnet, und Damman Freres steckt in den Startlöchern, seine Europa-Expansion voranzutreiben. Die Expansion bei Damman hat übrigens erst so richtig Fahrt aufgenommen mit der Übernahme durch Illy Café im Jahr 2007. Seitdem eröffnet Dammann regelmäßig einen Luxus-Tee-Tempel nach dem anderen. Wer nach Paris kommt – unbedingt den Store am Place des Vosges besuchen. Französischer kann man Tee nicht kaufen.

Teebeutel, Teegetränke, loser Tee. Was kommt als Nächstes? Matcha hat eine neue Möglichkeit ins Spiel gebracht, Tee zu konsumieren: das gesamte Blatt zu verzehren. Als Pulver. Ob pur, als Latte oder in Süßspeisen: Matcha ist vor allem deswegen so erfolgreich unterwegs, weil man damit soviel anstellen kann. Das gilt auch für eine neue Teekategorie, die beginnt, die Regale zu erobern: Die Tea Powders. „Für Matcha erfunden und für andere Tees perfektioniert“. KISSA, ein österreichisches Startup hat diesen Trend entwickelt und begeistert mit der besonders vielseitigen Einsetzbarkeit: direkt rein damit in Müsli, Joghurt oder Eis und voilà: Tee, neu erfunden.

Habt ihr auch Lust auf eine warme Tasse bekommen? So gelingt euch die perfekte Tasse Tee:

  1. Besorgt Euch guten Tee (am besten losen Tee aus dem Teefachgeschäft)
  2. Frisches weiches Wasser kochen!
  3. Die optimale Teemenge für den Aufguss finden!
  4. Je nach Teesorte die richtige Temperatur für den Aufguss verwenden!
  5. Aufgießen!
  6. Abwarten und ziehen lassen!